Sery-Froschauer: „Werbekonjunktur auf Rekordkurs? Antizyklische Investition in Werbung wirkt“
Montag, 20. Februar 2012, 11:12
Kategorie: Presseaussendung
Euro-Krise schlägt nicht auf die Werbewirtschaft durch - Appell an die Politik, den Konjunkturmotor nicht abzuwürgen
„Österreichs Werbewirtschaft hat 2011 ein gutes Jahr hinter sich; allerdings lief der Werbemotor bis zur durch die Lehman-Pleite ausgelöste Krise - angetrieben durch die Fußballeuropameisterschaft 2008 - noch besser. Der Ausblick auf 2012 entwickelt sich - entgegen dem gesamtwirtschaftlichen Trend - außerordentlich positiv“, fasst Angelika Sery-Froschauer, Obfrau des Fachverbandes Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), zur aktuellen Auswertung des WIFO-Werbeklimaindex zusammen. Und weiter: „Die Ergebnisse sind für uns alle überraschend. Sie zeigen aber jedenfalls eines: Anti-zyklische Investition in Werbung wirkt.“ Für 2012 ist im Euro-Raum mit keinem weiteren Anstieg der Wirtschaftsleistung zu rechnen. Während in der Folge auch die heimische Konjunktur merklich an Dynamik verlieren wird, überwiegen unter den Werbeunternehmern die Optimisten.
Sery-Froschauer & Pavlovec-Meixner: Praxistaugliches Lobbying-Gesetz beschließen!
Die Werbe- und PR-Branche kann sich zwar einerseits über hervorragende Konjunkturaussichten freuen, allerdings bereiten uns voreilige politische Schnellschüsse wie das Lobbying-Gesetz große Sorge“, so Andrea Pavlovec-Meixner, Obfrau-Stellvertreterin im Fachverband Werbung und Marktkommunikation: „Der Letztentwurf zum Lobbying-Gesetz bringt ungerechtfertigte Bürokratisierungen und Verwaltungskosten für die gesamte PR-Branche mit sich und würde besonders KMUs und Ein-Personen-Unternehmen hart treffen. Transparenz ist der Branche ein großes Anliegen, doch durch dieses Gesetz wird die Zielsetzung, unsauberes Lobbying zu vermeiden, nicht erreicht werden. Weil ein paar PolitikerInnen mit Lobbying nicht umgehen können, müssen tausende seriöse UnternehmerInnen in der PR- und Kommunikationsbranche reguliert werden!“
Nachfrage nach Werbedienstleistungen hat im 4. Quartal 2011 weiter zugenommen
Gerhard Schwarz, Wirtschaftsexperte im Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) schildert die positiven Ergebnisse im Detail: „Die Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich Werbung und Marktkommunikation hat im 4. Quartal 2011 weiter zugenommen.“ 41 Prozent der befragten Unternehmer berichten von einem Anstieg, gegenüber acht Prozent, die sich mit rückläufiger Nachfrage konfrontiert sahen. Auch die Geschäftslage der Werbewirtschaft hat sich sehr positiv entwickelt: Rund 36 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer verbesserten Geschäftslage: Dem stehen wiederum zehn Prozent gegenüber, deren Geschäftslage sich verschärft hat.
Die Auftragslage ist weiterhin gut: 82 Prozent der Unternehmen melden ausreichende oder sogar mehr als ausreichende Auftragsbestände. Ihre Kapazitäten haben die Werbetreibenden mit 89 Prozent gut ausgelastet. 27 Prozent geben sogar an, ihre Kapazitäten voll ausgelastet zu haben.
Kommunikationsbranche in Deutschland und Österreich ist Europameister“
„Erstmals stellen wir die Ergebnisse einer europaweiten Auswertung des Konjunkturtests für die Werbewirtschaft vor“, so Sery-Froschauer. Die Europäische Kommission koordiniert europaweit die Durchführung harmonisierter Konjunkturumfragen. Die Daten für Österreich stammen dabei aus dem WIFO-Konjunkturtest, der auch die Grundlage für das WIFO-Werbeklima bildet. Die Kommission ermittelt aus den gesammelten Daten monatlich den so genannten „Vertrauensindikator“, der die aktuellen Entwicklungen und Erwartungen der Unternehmen zusammen fasst und der auch spezifisch für die Werbewirtschaft vorliegt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Werbewirtschaft derzeit vor allem in reifen Industrieländern mit hohen Wachstumsraten gut dasteht (Deutschland, Österreich, Schweden). Deutlich schlechter entwickelt sie sich in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien, aber auch im Vereinigten Königreich. Sery-Froschauer: „Dies unterstreicht, dass die Werbewirtschaft nur in einem gesunden wirtschaftlichen Umfeld prosperieren kann. Eine Entkopplung der Nachfrage nach Kommunikationsdienstleistungen von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung hat europaweit bis dato nicht stattgefunden.“
Werbung gibt im 1. Quartal 2012 Vollgas
Die derzeitige Abkühlung der Wirtschaft hat somit auf die Konjunkturausblicke der österreichischen Werbeunternehmen im Allgemeinen noch nicht durchgeschlagen. Für das 1. Quartal 2012 und die unmittelbare Zukunft bleiben die Firmen der Werbung und Marktkommunikation weiterhin sehr zuversichtlich. Je 34 Prozent der Unternehmen rechnen weiterhin mit einem weiteren Anziehen der Nachfrage und einer verbesserten Geschäftslage. Damit überwiegen die Optimisten weiterhin deutlich gegenüber jenen 7 Prozent der Unternehmen, die eine sinkende Nachfrage und jenen 9 Prozent, die eine schlechtere Geschäftslage erwarten.
Ost-West-Gefälle bleibt bestehen und wieder gute Auftragslage in Wien
Dabei zeigen sich jedoch regionale Unterschiede. „Österreichs Kommunikationsbranche verzeichnet wie schon im Vorquartal ein deutliches West-Ost-Gefälle“, so Sery-Froschauer: „Während die aktuelle Lage in ganz Österreich positiv beurteilt wird, fallen die Erwartungen für die kommenden Monate in Wien deutlich skeptischer aus als in Westösterreich.“ So erwarten die Wiener Unternehmen in Summe ein Stagnieren der Nachfrage und tendenziell eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Die Westösterreichischen Unternehmen rechnen dagegen weiterhin mit einer umfassenden Ausweitung der Nachfrage und einer sehr günstigen Entwicklung ihrer Geschäftslage. Die vorliegenden Daten an sich können dieses West-Ost-Gefälle nicht erklären. „Ich vermute dahinter die bevorstehenden Konsolidierungsmaßnahmen des Bundes und die schwache Wirtschaftsentwicklung in unseren östlichen Nachbarländern, die auf die in Wien vergebenen Werbebudgets ausstrahlen werden.“, so Sery-Froschauer.
Jedes 4. Unternehmen will Personal aufnehmen
In der Werbewirtschaft herrscht weiterhin Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Ein knappes Zehntel der Werbeunternehmen gibt an, derzeit primär durch Arbeitskräftemangel in der Geschäftstätigkeit behindert zu sein. Rund ein Fünftel der befragten Firmen will im 1. Quartal 2012 Personal aufnehmen. Dem stehen „nur“ 6 Prozent der Werbeunternehmen gegenüber, die sich zu einem Abbau von Beschäftigten gezwungen sehen.
Staatsschuldenkrise erfasst die Realwirtschaft
Als Reaktion auf die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum nehmen viele Euro-Länder Einschnitte in ihrem Staatshaushalt vor. Dies wird die Binnenkonjunktur im Euro-Raum belasten und trifft die Wirtschaft zeitgleich mit einer Abschwächung der Weltkonjunktur.“Wir gehen davon aus, dass die österreichische Wirtschaft erst ab 2014 wieder merklich an Dynamik gewinnen wird“, interpretiert Schwarz die WIFO-Prognose für 2012 und 2013. „Maßvolle und nachhaltig wirksame Konsolidierungs- und Reformmaßnahmen im öffentlichen Bereich dürfen die Konjunktur mittelfristig nicht allzu stark dämpfen,“ appellieren Sery-Froschauer und Pavlovec-Meixner abschließend an die Politik.
Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich Fachverband Werbung & Marktkommunikation Mag. Markus Deutsch Tel.: 05 90 900-3539 E-Mail: werbung@wko.at Internet: www.wko.at/werbung
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